NEWS - GEDANKENSPLITTER

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Aktuelles
24.05.2018 -

Potentialentwicklung – Weiterführende Ansichten

„Ich bin Andreas Dünow, Potentialentwickler.“

Mit diesem Satz hatte ich meine ersten Ausführungen zum Thema der Potentialentwicklung beendet.

Gerne möchte ich neben dem Selbstverständnis weitere Facetten meiner Arbeit beleuchten: Wie nimmt mich mein Umfeld wahr? Wie arbeite ich mit meinem Umfeld? Wie kann mein Umfeld von der Haltung eines Potentialentwicklers/einer Potentialentwicklerin profitieren? Wie kann die Arbeit eines Potentialentwicklers/einer Potentialentwicklerin in Bezug auf andere professionelle Rollenbilder (u.a. Berater*innen) eingeordnet werden? Und...What’s next? Was kann der nächste (Entwicklungs-) Schritt sein?

Heute also der Fokus auf der Wahrnehmung meines Umfeldes von meiner Person und meiner Arbeit als Potentialentwickler. 

Dazu dient in erster Linie das Einholen von regelmäßigem Feedback zu meiner Arbeit. Ich höre den Ausführungen anderer aktiv zu und spreche viel mit meinen Kund*innen, sowohl im Vorfeld als auch im Anschluss an gemeinsame Formate (Trainings, Coachings, Moderationen, Teamentwicklungen). Ich schaffe mit dem im ersten Blogeintrag beschriebenen „Potentialentwicklungs-Würfel“ Bilder in den Köpfen meines Umfeldes, die zu spontaner Resonanz und Erzählfreude führen. 

Aus den vielen Rückmeldungen der letzten Jahre hat sich dabei etwas herauskristallisiert: eine Art wiederkehrendes Wahrnehmungsmuster, welches meine langjährige Supervisorin vor einiger Zeit einmal als „distanziertes Mitgefühl“ bezeichnete. Ich musste mich erst an diese Zuschreibung gewöhnen, ist doch „Distanz“ vermeintlich eher „negativ“ behaftet?! 

Mittlerweile kann ich diese Bezeichnung jedoch ganz gut für mich einordnen. Weshalb?

In unserer Arbeit als Potentialentwickler*in geht es ja, wie im ersten Blogartikel beschrieben, in erster Linie um die Haltung im Sinne „...es ist schon da.“ 

Sie verkörpert sich in den drei geschilderten Facetten:

·     „Du weißt selbst am besten, was gut für Dich ist.“ 

=> weniger „Ich weiß, was gut für Dich ist.“ 

·     zuerst mein Verhalten ändern 

=> wenn ich mir von meinem Gegenüber/Umfeld eine Verhaltensänderung erhoffe

·     wahrnehmen statt bewerten

=> Feedback geben und zum Perspektivwechsel einladen

Jeder kann sich vorstellen, wie schwer es ist, in seiner Haltung zu bleiben, wenn doch die vermeintliche „Lösung“ zum Himmel schreit, wenn die „Hilferufe“ laut sind und wenn „kulturelle Rituale“ rund um Machtthemen, Hierarchien und Abhängigkeiten überdeutlich sind. 

Der*die Potentialentwickler*in befreit sich davon, bewahrt sich den Schutz vor Energieverlust und spielt sich nicht zum*zur „Retter*in“ auf. 

Dies gelingt durch:

·     das Beibehalten der Unabhängigkeit vom Kundensystem („ich bin eingekauft, jedoch nicht gekauft“)

·     das sorgsame Einsetzen der persönlichen Ressourcen („ich kann sehr viel geben, ohne dabei auszulaugen“)

·     eine sachliche Auseinandersetzung mit emotionalen Herausforderungen („ich behalte einen professionellen Abstand“)

·     das respektvolle und wertschätzende Umgehen mit den Menschen („ich berühre sie und zeige Nächstenliebe, ohne deren „Wunscherfüller*in“ zu sein“)

·     das aktive Zuhören und das gezielte Ansprechen „schwieriger“ Themen („ich rege zum gegenseitigen Feedback und zur Selbstreflexion an, ohne dabei zu verletzen bzw. zu manipulieren“)

Kürzlich gab mir ein Kunde das Feedback, dass er begeistert war, wie ich das Top-Führungsteam eines großen Berliner kommunalen Unternehmens über 2 Tage begleitet hatte. Ihm sei quasi ein schwerer Rucksack von den Schultern genommen worden, da auf ihm - seiner Ansicht nach -, als interner Organisator und Assistent der Geschäftsführung, eine große Erwartungshaltung gelastet hatte.

Neben dieser Begeisterung beschrieb er seine Wahrnehmung in Bezug auf mein Auftreten als Potentialentwickler mit den Worten: „Du wirkst phasenweise unnahbar auf mich.“ Ich fragte ihn, was er denn mit „Unnahbarkeit“ meine und was er denke, weshalb ich so auf ihn wirke. Er antwortete sinngemäß mit Begriffen wie „...etwas distanziert, schwer einzuschätzen, in sich ruhend...“ und Zuschreibungen wie „...sich nicht zu sehr vereinnahmen lassen, einen respektvollen Abstand wahren, verschiedene Ansichten wertschätzen...“ 

Alles in allem ein „distanziertes Mitgefühl“?!

Spannend ist dabei Folgendes: im privaten Umfeld erlebe ich seit einigen Jahren eine ähnliche Entwicklung. Punktuell scheinen sich langjährige Freundschaften voneinander zu entfernen und neue Freundschaften auf anderen Ebenen entstehen. Ich höre dabei öfter mal Aussagen wie „...also früher warst Du irgendwie stimmungsvoller...“ oder „...geht’s Dir gut, Du wirkst ruhiger als sonst...“

Wie habe ich das für mich reflektiert? Ich meine, auch im privaten Kreis meine Energien sorgsamer einzusetzen als vielleicht in früheren Zeiten und dabei das ein oder andere Mal zu mehr Zurückhaltung zu neigen. Oder die Dinge gezielter anzusprechen und sie nicht mehr wie bisher „zu überhören“ oder „kleinzureden“. 

Besonders in der eigenen Familie wird das zur ständigen Herausforderung! Meine Eltern, die leider in diesem Jahr beide nacheinander im kurzen Abstand verstorben sind, hatten bis zuletzt nicht wirklich verstanden, was ich bzw. was ein*e Potentialentwickler*in macht. Ihren Äußerungen folgend war ich der überarbeitete und ständig auf Reisen befindliche „arme“ Sohn.

Irgendwann gaben sie es jedoch auf, mich zu einer „geregelten Anstellung“ (halt so wie früher) zu bewegen. Meine Mutter pflegte dann immer zu mir zu sagen: „Na, die Leute mit Deinen Worten überzeugen konntest Du ja schon immer...und das scheint ja erfolgreich zu sein. Solange Du wenigstens gut Deine Familie ernähren kannst...bleib dabei.“

Wenn Sie gewusst hätte, dass es als Potentialentwickler*in eher um das aktive Zuhören, das Wahrnehmen von Äußerungen und das Streben nach gemeinsamem Verständnis geht, so wäre sie möglicherweise noch mehr in ihren Grundwerten erschüttert worden. 

Meine große Tochter Isabelle, 27 Jahre, macht mir dies leichter...sie offenbarte mir vor etwa einem halben Jahr, dass sie auch Potentialentwicklerin werden möchte. Seitdem hospitiert sie regelmäßig bei mir und ist gerade bei „mehr als lernen“ als Teamerin beschäftigt. Eine tolle „Schule“ für ihren persönlichen Weg zur Potentialentwicklerin!

Ich darf an vielen vielen Tagen im Jahr als Potentialentwickler mit Kund*innen arbeiten...unter Wahrung der eingangs beschriebenen Haltung...und eben auch mit einem distanzierten Mitgefühl. 


Diesen Text können Sie auch in meinem LinkedIn-Profil finden.